Publikationen

Monographien

Trienter Judenprozess_150Der Trienter Judenprozeß: Voraussetzungen – Abläufe – Auswirkungen (1475 – 1588), phil. Diss. Trier 1994, Hannover 1996 (= Forschungen zur Geschichte der Juden, Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden, hg. v. Helmut Castritius u.a., Abteilung A, Bd. 4)

Der Ritualmordprozess gegen die Trienter Juden in den Jahren 1475 bis 1478 war aus vielen Gründen ein zentrales Ereignis der europäischen Geschichte. Zum einen erreichte die Ritualmordbeschuldigung – die Behauptung, dass Juden in Wiederholung der Passion Christi christliche Kinder rituell ermordeten – damit erstmals die Grenze zwischen Germania und Romania, dem Deutschen Reich und Italien. Zum anderen führte er zu einem folgenreichen Konflikt: Auf der einen Seit standen die lokalen Autoritäten, Fürstbischof und Stadt, die den Prozess mit allen Mitteln führten, um das Martyrium des angeblich von den Juden getöteten Kindes Simonino und damit seinen Anspruch auf Heiligkeit zu beweisen. Auf der anderen standen der Papst und weite Teile der römischen Kurie, die der Beschuldigung seit jeher ablehnend gegenüberstanden und sowohl die Hinrichtung der angeklagten Juden als auch den aufkommenden Kult des "Märtyrers" zu verhindern suchten.
Ein dritter wichtiger Aspekt ist die Rolle des neuen Mediums des Buchdrucks, der hier erstmals in größerem Umfang als Propagandamittel eingesetzt wurde. Das Buch schildert diese komplexen Ereignisse in ihren vielfältigen Facetten und darüber hinaus auch die weiteren Entwicklungen, die 1588 – im Zuge der Gegenreformation – zur Anerkennung des Kultes und 1963 schließlich zu seiner definitiven Abschaffung führten.

Hessen-Marburg_150Landgrafschaft Hessen-Marburg, Germania Judaica, Historisch-topographisches Handbuch zur Geschichte der Juden im Alten Reich, Teil IV (1520 – 1650), hg. v. Stefan Rohrbacher u.a., Bd. 2, Tübingen 2009

Die Landgrafschaft Hessen-Marburg war zweifellos keiner der bedeutendsten jüdischen Siedlungsräume des Deutschen Reiches. In dieser überwiegend agrarisch geprägten Region lebten Juden – schon aus ökonomischen Gründen – meist weit verstreut in Dorfern und kleinen Städten. Wirkliche Gemeindestrukturen existierten nur in den seltensten Fällen und höhere Bildungseinrichtungen fehlten völlig. Das jüdische Geistes- und Gemeindeleben war daher stark eingeschränkt, doch finden sich immerhin Ansätze einer territorialen Organisation in einem Zeitraum, für den dies bisher kaum nachgewiesen war. Auf der anderen Seite führte die Siedlungssituation aber zu einem sehr engen christlich-jüdischen Miteinander, das hier - anhand umfassender archivalischer Forschungen - detailliert und plastisch geschildert wird. Da die "Landjuden" mit Sicherheit die Mehrheit des frühneuzeitlichen aschkenasischen Judentums darstellten, leistet der Band Grundlagenforschung in einem - gerade für das 16. und 17. Jahrhundert - bislang noch kaum untersuchten Bereich.

Abenteuer & Anerkennung_150Abenteuer und Anerkennung. Reisende und Gereiste in Spätmittelalter und Frühneuzeit (1400 – 1700), Paderborn 2014.

Nicht nur die Reise selbst ist das Abenteuer – auch die Heimkehr birgt Gefahren.
Das Erlebnis der Reise hinterlässt seine Spuren, ebenso beim Reisenden wie auch bei der Gesellschaft, in die er nach ihrem Abschluss zurückkehrt. Beide verändern sich und müssen erst wieder zusammenfinden, damit die Reise zum Erfolg wird.
Anhand eines weiten Spektrums großenteils noch kaum beachteter Quellen, Reiseberichten, Autobiografien und Tagebüchern, entwickelt der Band ein breites Panorama zum Thema Reisen in einem Zeitraum von drei Jahrhunderten (1400-1700). Es reicht von den allgemeinen und persönlichen Voraussetzungen der Reisenden über die vielfältigen Aspekte von Fremdwahrnehmung und Reiseerfahrung bis hin zu deren „Umsetzung“ im heimischen Umfeld. Die Folgen der europäischen Expansion, das Eindringen des Fremden in die heimische Sphäre, und andererseits die Konfrontation des Reisenden mit fremden Sitten und gänzlich unbekannten Phänomenen sowie deren Vermittlung an die heimische Umgebung werden gründlich analysiert und in anschaulicher, oft auch amüsanter Weise dargestellt.

Frankfurt_150Judengasse und christliche Stadt. Religion, Politik und Gesellschaft in Frankfurt am Main in der Frühen Neuzeit (in Vorbereitung)

 

Aufsätze (Auswahl)

Schlechte und gute Christen. Zur Rolle von Christen in antijüdischen Ritualmord- und Hostienschändungslegenden, in: Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, 2 (1992), S. 95 – 116

Der Trienter Judenprozeß. Ereignis und Rezeption (1475 – 1588), in: Geschichte und Region/ Storia e regione 3 (Bozen/ Wien 1994), S. 139 – 159

Peregrinatio Hierosolymitana. Zwei deutsche Ritter auf der Reise durch Palästina und Ägypten in den Jahren 1561 – 62, in: Liber Amicorum necnon Amicarum für Alfred Heit. Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte und geschichtlichen Landeskunde, hg. v. Friedhelm Burgard u.a. (Trierer Historische Forschungen 28), Trier 1996, S. 445 -458

Dietrich Andernacht und die Regesten zur Geschichte der Juden in Frankfurt – Projektbericht über ein Lebenswerk, in: Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, 6 (1996), S. 601 – 602

Kirche im Konflikt: Die Auseinandersetzung um den Trienter Ritualmordprozeß, in: Das Jüdische Echo. Zeitschrift für Kultur und Politik, 46 (Oktober 1997), S. 167 – 17

Zwischen jüdischer Tradition und christlicher Universität: Die Akademisierung der jüdischen Ärzteschaft in Frankfurt am Main in der Frühen Neuzeit, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 17 (1998), S. 375 – 397

Lebensbedingungen jüdischer Ärzte in Frankfurt am Main während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, in: Medizin, Gesellschaft und Geschichte. Jahrbuch des Robert-Bosch-Instituts für Geschichte der Medizin 17 (1999), S. 9 – 55

Aufsteiger oder Außenseiter? Jüdische Konvertiten im 16. und 17. Jahrhundert, in: Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, 10 (2000), S. 307 – 336

Verehrt und angespien: Zur Geschichte jüdischer Ärzte in Aschkenas von den Anfängen bis zur Akademisierung, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 21 (2002), S. 139 – 203

Eine kleine Welt. Juden und Christen im ländlichen Hessen zu Beginn der Frühen Neuzeit, in: Hofjuden und Landjuden. Jüdisches Leben in der Frühen Neuzeit, hg. v. Sabine Hödl u.a., Berlin/ Wien 2004, S. 251 – 269

Oum Kalthoum in Israel. Zum 30. Todestag der ägyptischen Sängerin am 3. Februar 2005, in: Kalonymos 7 (2004), Heft 3 und 4, S. 18 – 19

„Hier ruhet in Gott fein / die Mutter von sieben Kinderlein …“: Bürgerliche Memoria zwischen Nordsee und Alpenrand in der Frühen Neuzeit, in: Memoria. Wege jüdischen Erinnerns, Festschrift für Michael Brocke zum 65. Geburtstag, hg. v. Birgit E. Klein und Christiane E. Müller, Berlin 2005, S. 251 – 276

Diener dreier Herren: Möglichkeiten und Unmöglichkeiten jüdischen Lebens in der frühen Neuzeit, in: Campana pulsante convocati. Festschrift anlässlich der Emeritierung von Prof. Dr. Alfred Haverkamp, hg. v. Frank G. Hirschmann und Gerd Mentgen, Trier 2005, S. 563 – 597

„Pour la gloire du grand Dieu d´Israël“ – Konversionen zum Judentum in der Frühen Neuzeit, in: Juden – Christen – Juden-Christen. Konversionen in der Frühen Neuzeit, hg. v. Jutta Braden und Rotraud Ries, Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, 15 (2005), S. 419 – 433

Ratsherren und Rabbiner. Eliten und Herrschaftsformen im frühneuzeitlichen Frankfurt, in: Die Frankfurter Judengasse. Jüdisches Leben in der frühen Neuzeit, hg. v. Fritz Backhaus u.a., Frankfurt am Main 2006, S. 200 – 212

In die Jeschiwe und auf den Jahrmarkt: Jüdische Mobilität in Aschkenas in der Frühen Neuzeit, in: Räume und Wege. Jüdische Geschichte im Alten Reich 1300 – 1800, hg. v. Rolf Kießling u.a., Berlin 2007, S. 191 – 20

Jewish and Christian Elites in Frankfurt: Power and Control in an Early Modern German City, in: Jewish Culture and History 10 (2008), Nr. 2 und 3, S. 65 – 80

Zwei hessische Diplomaten – hauptleut und vorgänger im 16. Jahrhundert, in: Kalonymos 12 (2009), Heft 4, S. 1 bis 4

Jewish and Christian Elites in Frankfurt: Power and Control in an Early Modern German City, in: The Frankfurt Judengasse. Jewish Life in an Early Modern German City, hg. v. Fritz Backhaus u.a., London/Portland (Oregon) 2010, S. 59 – 72

Jüdisches Weltbürgertum oder nationales Judentum? Die Alliance Israélite Universelle und der Zionismus in Deutschland, in: Kalomymos 13 (2010), Heft 3,    S. 9 – 12

Das Blutmotiv im antijüdischen Diskurs vom Mittelalter bis in die Moderne – Texte, Bilder, Interpretationen, in: Blut. Perspektiven aus Medizin, Geschichte und Gesellschaft, hg. v. Jiří Pešek und Falk Wiesemann, Essen 2011, S. 85 – 99

„Ich verlangte sehr, sie in ihren Synagogen zu sehen …“. Juden und jüdisches Leben im Spiegel christlicher Reiseberichte des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Selbstzeugnisse und Ego-Dokumente frühneuzeitlicher Juden in Aschkenas. Beispiele, Methoden und Konzepte, hg. v. Birgit Klein und Rotraud Ries, Berlin 2011, S. 329 – 353

Aus dem Kloster hinaus in die Welt – zwei Mönche in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Archiv für Kulturgeschichte 2011, S. 439 – 471

Unnd die selben hon auch großen mysglauben – Judentum und Islam in den Berichten christlicher Reisender des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, in: Promultis beneficiis. Festschrift für Friedhelm Burgard, hg. v. Sigrid Hirbodian u.a. (Trierer Historische Forschungen 68), Trier 2012, S. 223 – 235

Eine folgenschwere Entscheidung. Konversionen von Juden in der Frühen Neuzeit am Beispiel Frankfurt am Main, in: Treten Sie ein! Treten Sie aus! Warum Menschen ihre Religion wechseln, A-Kat., hg. v. Regina Laudage-Kleeberg/ Hannes Sulzenbacher, Berlin 2012, S. 148 – 157

Diplomaten, Rechtsgelehrte, Intriganten. Der Trienter Judenprozess vor der römischen Kurie 1475 – 1478, in: Dominikaner und Juden. Personen, Konflikte und Perspektiven vom 13. bis zum 20. Jahrhundert, hg. v. Elias H. Füllenbach und Gianfranco Miletto (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens), Berlin/München/Boston 2015, S. 331 – 347

Komplexität auf kleinem Raum. Judenpolitik in der Grafschaft Hanau-Münzenberg vom Ausgang des Mittelalters bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, in: Juden und ländliche Gesellschaft zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit (15. bis 17. Jahrhundert), hg. v. Sigrid Hirbodian und Torben Stretz [im Druck, erscheint 2015]

 

Aufsätze zusammen mit anderen Autoren

Evi Butzer/ Nathanja Hüttenmeister/ Wolfgang Treue, „Ich will euch sagen von einem bößen Stück …“. Ein jiddisches Lied aus dem 17. Jahrhundert, in: Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, 15 (2005), S. 25 – 53

 

Mitarbeit

Alfred Haverkamp (Hg.), Geschichte der Juden im Mittelalter von der Nordsee bis zu den Südalpen. Kommentiertes Kartenwerk. Bearbeitet von Thomas Bardelle, Rainer Barzen, Friedhelm Burgard, Frédéric Chartrin, Christoph Cluse, Annegret Holtmann, Rosemarie Kosche, Bernhard Kreutz, Angela Möschter, Jörg R. Müller, Thomas Müller, Winfried Reichert, Alexander Reverchon, Matthias Schmandt und Wolfgang Treue, 3 Bde, Hannover 2002